Taufe einer Erwachsenen

Gottesdienst am 03.04.05 - Taufe einer erwachsenen Frau

(durch die Kirche zieht sich ein mehrfach verzweigter Weg, angedeutet durch Fußstapfen aus Papier; gelbe Ortsschilder markieren die einzelnen Stationen Freude- Familie- Beruf- Anfechtung)


Gebete:

Psalm 91

Kyrie-Gebet
Ich komme zu dir, Gott, denn du liebst mich ganz. Ohne Tabu nimmst du mich an: Egal, ob ich schwach bin oder stark. Ich komme zu dir, weil mein Rücken gekrümmt ist. Du wirst mich aufrichten. Du biegst mich zurecht, und stellst mich auf den richtigen Weg. Wende dich nicht ab von mir, wenn ich den falschen Weg einschlage. Kyrie eleison

Gloria-Gebet
Gott, du hast uns zugesagt, dass deine Engel uns begleiten werden. Wir wissen, dass wir darauf fest vertrauen können. CHOR "Dein Wort, Herr, ist meines Fußes Leuchte" oder Gemeinde: Halleluja Es gibt genug in unserem Leben, das uns verzagen lässt. Aber wie oft haben wir schon deine Nähe gespürt. Wie oft hast du uns gestärkt. Wie oft schon hast du uns Boten geschickt, dass wir nicht den falschen Weg einschlagen. CHOR "Dein Wort, Herr, ist meines Fußes Leuchte" oder Gemeinde: Halleluja

Eingangsgebet
Gott, dein Wort will uns Richtung weisen, damit wir nicht herumirren und ohne Orientierung sind. Darum sammle jetzt unsere Gedanken zu dir hin, dass wir zur Stille finden aus der Unruhe unseres Alltags. So bringen wir in der Stille vor dich, was uns beschäftigt.
Dies bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

Fürbitten
Gott, wir bitten dich für alle Menschen, die sich entschieden haben, ihren Weg mit dir zu gehen. Sei du bei ihnen und gib ihnen Menschen zur Seite, die ihnen nahe stehen und mit denen sie über alles sprechen können. Wir denken heute in besonderer Weise auch an alle Menschen, die unter Krankheiten zu leiden haben und die im Sterben liegen. Schicke deine Engel, damit wir Wege finden und sie im Vertrauen auf deine Gegenwart. Vater unser...


Lieder:

  • 455 Morgenlicht leuchtet
  • 100,1+2+5 Wir wollen alle fröhlich sein
  • 395 Vertraut den neuen Wegen
  • Mögen sich die Wege
  • Gut, dass wir einander haben

Evangelium: Johannes 20,19-29

Evangelist: Am Abend aber des ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen:

Jesus: Friede sei mit euch!

Evangelist: Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen:

Jesus: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Evangelist: Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm:

Jünger: Wir haben den Herrn gesehen.

Evangelist: Thomas aber sprach zu ihnen:

Thomas: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.

Evangelist: Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht:

Jesus: Friede sei mit euch! Thomas, reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

Thomas: Mein Herr und mein Gott!

Jesus: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!


Verkündigung

Teil I
Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, begegnen mir immer wieder diese gelben Schilder. Orte werden benannt, die ich ganz bewusst aufsuche und wo ich auch länger verweile. Andere Orte liegen auf dem Weg. Ich muss sie durchqueren und bin manchmal froh, wenn sie hinter mir liegen.
Und dann gibt es Orte, die ich eher aus Versehen aufsuche. Ein verlockender Name führt mich dorthin oder es ist, weil ich die Karte falsch gelesen habe. Unser Leben ist ähnlich. Wenn wir geboren werden, werden wir nicht nach unserem Willen gefragt. Die Wahl eines Lebenspartners ist nicht im Vornherein bestimmt. Wege führen zusammen und auch wieder auseinander. Nicht nur der Partner muss zu mir passen. Ich bin auch bereit, mich zu verändern, damit es passt.
Umwege bei der Berufswahl führen zur Klärung. Ist das, was ich möchte auch das, was ich kann? Und ist das, was ich kann, auch das, was ich möchte?
Wie oft schleichen sich Zweifel ein, wo ich erst ganz sicher war.
Wie oft wird mein Glück von Trauer durchkreuzt!
Wie viele Wege muss ich gehen, um an mein Ziel zu gelangen?

(Freunde und Verwandte von N.N. beschreiben verschiedene Wege, die das bisherige Leben von ihr geprägt haben)

Weg der Freude

Wege der Freude möchte ich in unser Bewusstsein rufen: Denn leicht und beschwingt ist mein Schritt, wenn ich auf dem Weg der Freude gehe. Wenn ich mich mit guten Freunden treffen will, eile ich gern. Ich weiß, mit ihnen werde ich mich wohlfühlen. Wohl ist mir auch, wenn Kinder freudig um mich herum hüpfen. Wenn ich auf dem richtigen Weg bin, wenn mein Ziel stimmt, kann ich das spüren: Dann fällt mir das Gehen leicht und ich schreite mit ausladenden sicheren Schritten voran. Und wie gut ist mir, wenn ich nicht alleine unterwegs bin, wenn ich spüre: Ich bin beschützt.

Wege der Freude

Nachhause-Kommen ist so ein Weg voller Freude. Ich weiß, ich werde erwartet. Ich werde die Plätze besuchen, an denen ich mit meinen Freunden die Welt entdeckt habe. Da werden Erinnerungen und Gefühle aus der Tiefe meiner Seele wieder lebendig. Wege der Freude führen über blumenbunte Wiesen, die Sonne wärmt mich und die Luft ist voller Düfte. Die Fahrt in den Urlaub ist ein Weg, den ich in froher Erwartung antrete. Dafür stehe ich auch gern in der Frühe auf. Und wenn mir die Liebe begegnet, schwebe ich dahin und kein Hindernis scheint mir unüberwindlich. Mit allen Menschen möchte ich meine Freude teilen. Denn leicht und beschwingt ist mein Schritt, wenn ich auf dem Weg der Freude gehe.

Weg mit der Familie

Wege mit der Familie - ist das noch zeitgemäß?
Eine Familie gründen bedeutet, Verantwortung für den Partner und für die Kinder zu übernehmen; für sie da zu sein, in guten und in schlechten Zeiten.
Kann ich mich darauf heute noch einlassen?
Wie wohltuend ist es zu wissen, zu Hause wartet jemand auf mich, der mich mit seiner Liebe umgibt; mit dem ich über meine Probleme reden kann und der zuhört.
Nicht alles in meinem Leben muss perfekt sein. Ein Partner an meiner Seite kann mir eine Hilfe sein. In der Familie ist doch einer für den anderen da.
Ich habe mich für den Weg mit der Familie entschieden. Für mich ist es der richtige Weg.
Wenn Probleme auftreten, hoffe ich, dass ich Hilfe erfahren werde.
Für mich ist meine Familie ein wichtiger Sinn für mein Dasein.
Die Liebe und Freude, die ich empfangen und geben kann, macht mein Leben reich und schön.

Wege in den Beruf - Berufswege

Ein Beruf sollte mit einer Berufung einhergehen.
Man sollte berufen sein, eine bestimmte Tätigkeit auszuüben, eine Tätigkeit, die einem Freude bereitet, die motiviert, die persönlichen Erfolg beschert.
Als junger Mensch kann ich einfach verschiedene Wege probieren, an Praktika teilnehmen oder durch Ferienjobs in verschiedene Berufsbilder hineinschnuppern.
Aus vielen verschieden Berufen können wir wählen.
Es gibt Berufe in denen wir den ganzen Tag nur mit Maschinen arbeiten und auch dabei glücklich sind.
In anderen Berufen arbeiten wir den ganzen Tag mit Menschen und sind ebenso glücklich.
Welcher Berufsweg der "Richtige" ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Wissen wir immer am Anfang eines Weges, ob er auch zum Ziel führt?
Was ist, wenn es ein Irrweg ist? Wenn wir viele Umwege gehen?

Der Lebensweg ist nicht wie eine Reise auf Schienen - vielmehr ähnelt er einer Expedition, und hierfür sind die Ausrüstung und die Weggefährten wichtig.
Die Begleitung durch Gott,
die Begleitung durch einen Engel,
oder etwas weltlicher
die Begleitung durch Freunde, Familie, Partner.

Weg der Anfechtung

Ist es das, was ich mit meinem Schritt will? Die Bindung an eine Kirche, die von vielen in meiner Umgebung hinterfragt wird? Ist es das, was ich mit meinem Schritt will? Ein Leben, das wie eine Wanderung auf einem Kammweg ist? Unbequem, jeden Tag neu entscheiden zum müssen, welche Richtung ich einschlage!
Anstrengend, immer danach zu fragen, ob es auch meinem Nachbarn gut geht neben mir! Frustrierend, wenn die Antwort Gottes ausbleibt! Aber doch! Diesen Schritt will ich gehen! Ich will mich nicht zufrieden geben! Den Fragen in meiner Familie will ich mich stellen und nach Antworten suchen!
Das große Ja Gottes zu mir will ich annehmen, will es spüren!

Teil II
Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. So haben wir es vorhin im Psalm gebetet. Dieser Psalmvers ist gleichzeitig der Taufspruch für N.N. Manchmal denke ich, dass ich viel zu oft erwarte, dass die Engel Gottes mich auf ihren Händen tragen. Denn ungeschrieben lese ich auch die Erwartung, dass ich selbst nach guten Wegen suche. Dass ich mich an die Seite der Engel begebe. Und dass ich dadurch für andere zum Engel werde. Gott will keine unmündigen Menschen. Er will, dass wir eigene Wege gehen. Dabei wird er uns begleiten. (An dieser Stelle haben zwei Freunde die Geschichte von den "Spuren im Sand" vorgelesen)